Dr. Hüwer

 Dr. med. Hans-Dieter Hüwer
 
Kinder- und Jugendarzt


Arbeitsbereich Lernen

Verhalten Aufmerksamkeit

 
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Tic-Störung

Tics sind unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen. Muskeln aus einem oder mehreren Körperbereichen, die auch sonst gemeinsam arbeiten, sind an den Tics beteiligt.

Tics treten plötzlich und unerwartet auf, sie dauern kurz und verlaufen gleichförmig wiederkehrend, jedoch nicht rhythmisch. Sie schwanken nach Art, Häufigkeit und Ausmaß. Sie treten in zeitlich unregelmäßigen Abständen auf. Obwohl die Muskelgruppen in ihrer normalen Funktion verwendet werden, haben Sie keinen durch den Willen bestimmten Zweck (z.B. Blinzeln mit den Augen).

Oft handelt es sich um einfache Bewegungsabfolgen; es können jedoch auch kompliziertere Abläufe auftreten, z.B. Schlagen, Hüpfen, Verwenden obszöner Gesten und Worte (Kopropraxie, Koprolalie), Nachäffen (Echolalie bzw. Palilalie) ….

Wir unterscheiden vorübergehende Tic-Störung (ICD10 F95.0), chronische motorische oder vokale Tic-Störung (ICD10 F95.1) und die Tic-Störung mit einer die Kombination von Lautäußerungen und verschiedenen Bewegungs-Tics, die auch als (Gilles-de-la‑) Tourette-Syndrom bezeichnet wird (ICD10 F95.2).

Die Form des Tics kann über Wochen und Monate stabil bleiben. Unter Ablenkung oder bei verstärkter Konzentration lassen Tics nach, in Belastungssituationen und unter Gefühlsspannung nehmen sie in der Regel zu. Tics können meist unter Willensanspannung für eine gewisse Zeit (Minuten bis Stunden) unterdrückt werden. Meist treten nachts keine Tics auf.

Die Tic-Störung ist eine häufige Erkrankung, durchschnittlich 5 bis 10% erkranken hieran. Wenn der Tic zum ersten Mal auftritt, sind die Patienten meist zwischen 2 und 15 Jahren alt.

Die Diagnose der Erkrankung erfolgt entsprechend dem klinischen Bild. In der Regel sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Im Zweifel können durch entsprechende Untersuchungen ähnliche Bewegungsstörungen anderer Ursache ausgeschlossen werden.

Neben der Tic-Störung finden sich häufig andere Erkrankungen: Aufmerksamkeitsstörung (ADS; 50 bis 75%), Lern- und Leistungsstörung (ca. 25%), affektive Störungen (ca. 20%), Angststörung an (ca. 20%), Schlafstörungen (15 bis 25%), selbstverletzendes Verhalten (15 bis 30%) und Restless-Legs-Syndrom (mehr als 50%).

Die Tic-Störung wird nicht psychisch verursacht. Sie entsteht also nicht aufgrund von Erziehung oder besonderen Lebensumständen. Tic-Störungen haben eine erbliche Grundlage. Manche Formen scheinen auch im Rahmen einer Infektion aufzutreten. Es handelt sich um eine reine Störung im Bewegungsablauf. Der Patient will nichts mit dem Tic ausdrücken, auch nicht unbewußt.

Die Art der Behandlung der Tic-Störung hängt vom Leiden des Patienten ab. „Kleine Tics“ werden häufig vom Umfeld des Patienten nicht beachtet, sie fallen oft nur der Mutter auf. Sie bedürfen in der Regel keiner Behandlung.

Manche Tic-Formen aber beeinträchtigen den Betroffenen in seinem alltäglichen Leben. Besonders negative Rückmeldungen aus der sozialen Umgebung führen bisweilen zu einem erheblichen Leidensdruck. In diesem Fall sollte die Tic-Störung behandelt werden.

Mittel der Wahl in der Behandlung der Tic-Störung sind Medikamente.

Das Medikament der ersten Wahl ist Tiaprid; in der zweiten Reihe stehen Neuroleptika (Risperidon, Pimozid u.a.). Auch a2-Agonisten (Clonidin, Guanfacin) werden eingesetzt.

Im Einzelfall helfen Techniken der Verhaltenstherapie (z.B. symbolische Rückmeldungen, Biofeedback), besonders belastende Tics zum Verschwinden zu bringen oder sie umzuformen. Die Erkrankung selbst kann aber verhaltenstherapeutisch nicht behandelt werden.

In großen Untersuchungsreihen ist die Unwirksamkeit alternativer Heilmethoden bei der Tic-Störung belegt.

In der Bewertung aller Methoden muß man berücksichtigen, daß innerhalb des Beobachtungszeitraumes bis zu 70% der Tics verschwinden oder sich wandeln.

Im Erwachsenenalter bessert sich ein Teil der Tic-Störungen deutlich.

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